Dienstag, Juli 08, 2008

Pentagon aims for less deadly cluster bombs

Das ist wieder mal was aus der "seid ihr so blöd, oder wollt ihr mich nur verarschen"-Ecke: US Verteidigungs-Minister Robert Gates möchte die amerikanischen Cluster-Bomben sicherer machen.Konkret heisst das dann, dass mindestens 99% der Kanister explodieren sollen. Dadurch wird dann angeblich die Gefahr für die Zivilisten kleiner - weil weniger Blindgänger herum liegen.

Zuerst gefunden wieder mal bei Xinhua. Es ist ja schon ein Armutszeugnis, dass die amtliche chinesische Nachrichten-Agentur ihre Propaganda inzwischen direkt von der US-Regierung zur Verfügung gestellt bekommt.

111 Länder, darunter auch zahlreiche NATO-Mitglieder haben vor rund einem Monat, die Verwendung von Cluster-Bomben geächtet. Die USA - wie China, Indien, Israel, Pakistan, Russland auch möchten auf den militärischen Wert nicht verzichten.

Aber die USA bringen es wieder mal fertig, eine sinnvolle Idee aus eigenen Interessen derart zu pervertieren, dass vom "guten" und "sinnvollen" nichts mehr übrig bleibt. Statt den Einsatz zu beschränken und die Lager abzubauen wird beschlossen, dass die Waffen binnen 10 Jahre durch "bessere" ersetzt werden.

Da haben fast alle etwas davon: Die Waffen-Industrie kriegt neue Aufträge für zuverlässigere, sprich teurere Cluster-Bomben. Jaja, die Entwicklungskosten sind hoch, aber es geht schliesslich um Menschenleben.

Das Militär hat nun 10 Jahre Zeit, um die alten Vorräte an Munition zu entsorgen. Da wird sich sicher ein Plätzchen finden - und auch wenn der Einsatz von Clustern aus militärischer Sicht nicht unbedingt nötig wäre, das Zeug muss schliesslich weg.

Die US-Regierung wiederum kann beteuern wie sehr ihnen die Zivilisten am Herz liegen, und den Kumpels in der Rüstungsindustrie einen Gefallen tun.

Und so ab etwa 2020 hat vielleicht auch ein ganz gewöhnlicher Zivilist in einem zufälligen Konfliktgebiet etwas davon. Dann nämlich, wenn die USA die neuen Cluster-Bomben verschiessen und deshalb nur noch einer von hundert Kanistern liegen bleibt. Natürlich nur, wenn er nicht zum "Kollateral-Schaden" des eigentlichen Angriffs wird.

Update: Die Washington Post schreibt unter dem wundervollen Titel "Pentagon aims for less deadly cluster bombs", dass die "unzuverlässige" Munition an Dritt-Staaten weiter verkauft werden soll, aber nur unter der Bedingung, dass sie bis 2018 eingesetzt wird. (Also im Original heisst es: Nach 2018 nicht mehr verwendet wird - ist das jetzt dasselbe oder nicht?)

Die Post liefert auch noch einige Zahlen: In Afghanistan wurden 2001/02 rund 1200 Cluster-Bomben mit beinahe 250'000 Kanistern abgeworfen. In den ersten 3 Wochen des Irak-Kriegs sollen amerikanische und britische Truppen ungefähr 13'000 Bomben mit mehr als 1'800'000 Kanistern abgeworfen haben.

Eine kleine Rechnung: Wenn also über 1% der Kanister nicht detoniert, dann lagen alleine aus den ersten 3 Wochen Bombardement mindestens 18'000 Blindgänger herum. Das könnte unter Umständen auch eine Erklärung sein für die eine oder andere Meldung über improvised explosive devices.

Update 2: Laut der Tagesschau ommt es "bei bisherigen Streubomben [...] üblicherweise bei 10 bis 40 Prozent der als «Bomblets» bezeichneten Sprengsätze nicht zur Explosion." Ich korrigiere also meine erste Einschätzung auf ca. 180.000 - 720'000 Blindgänger. Auch hier erinnert übrigens der Titel - "USA zeigen sich nachgiebig" - eher an detebe denn an Nachrichten.

Quellen:
http://rss.xinhuanet.com/newsc/english/2008-07/08/content_8510829.htm
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/07/07/AR2008070701990_2.html
http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2008/07/08/international/usa_zeigen_sich_nachgiebig

Samstag, Juli 05, 2008

Ausgebusht



Kriegsverbrecher! Fuck you! Faschist! Sagt Bush: Jaja, die Redefreiheit.

Laut Xinhua wurden während der 10minütigen Rede mindestens 9 Leute entfernt. Nicht schlecht, die Quote. Dass es am Heimatort von Thomas Jefferson passiert ist eine nette kleine Realsatire, wie sie für absurde System typisch ist.

Quellen:
http://tagesschau.sf.tv/content/view/full/243632
http://news.xinhuanet.com/english/2008-07/05/content_8492738.htm

Woertbesetzungen

Auf der Suche nach Alternativen zum ach so ungeliebten Wort "Anarchie" bin ich auf einige Ausdrücke gestolpert. Im Sinne einer "Wortbesetzung" - gibt es ein Wort schon, wenn Google nichts dazu hat? Zum Zeitpunkt des Verfassens gab es für metarchie/metarchy jeweils einige Treffer. Krearchie und Poietarchie: Zero points!

Krearchie

"Krearchie". bzw. "crearchy" tönt beispielsweise ganz nett, aber abgesehen von der bestenfalls provokativen Ähnlichkeit zum Kreationismus missfällt mir auch die Mischung von lateinischen und griechischen Fremdwörtern. Aber dafür gefällt mir das Experimentelle. Ganz im Gegensatz zu den Kreationisten bin ich aber der Auffassung, dass wir gefordert sind, das politische System mit- und umzugestalten.

Poietarchie

"Poietarchie"(poietarchy) ist in etwa die griechische Variante davon. Stärker als beim "crea" kommt hier allerdings mein Verständnis der Gesellschaft als autopoietisches kommunkatives System zum Vorschein. Wir definieren die Gesellschaft und werden gleichzeitig von ihr geprägt.

Metarchie

Mit dem Begriff "Metarchie" (metarchy) assoziiere ich vor allem das Nebeneinanderstellen der verschiedenen Herrschaftssysteme. Ob Sozialismus, Kapitalismus, Kommunismus - jedes System hat auch in der Theorie, insbesondere aber in der praktischen Umsetzung seine Stärken und Schwächen. Im Vergleich der Systeme untereinander die besten Lösungen für ein gegebenes Problem zu finden. Konkrete angepasste Lösungen für konkrete lokale Probleme.

Weitere Vorschläge sind jederzeit willkommen.

Donnerstag, Juli 03, 2008

Hubschrauber bitte melde Dich!

Endlich mal wieder was zum Lachen - wenigstens mit Humor und etwas gutem Willen. Sicher hat jeder schon mal etwas verloren. Und auch ein Fahrrad wurde mir schon mal gestohlen. Aber gleich 3 Hubschrauber, darunter ein Chinook? Wie kann man einen 30 Meter langen, 10 Tonnen schweren Hubschrauber aus den Augen verlieren?

Man sollte wohl anmerken, dass die Maschinen in Transportkisten verpackt auf dem Landweg nach Afghanistan gebracht werden sollten. Fliegen ist wahrscheinlich zu gefährlich. Es werden ja auch regelmässig wieder welche abgeschossen.

Trotzdem: Beim Gedanken an den armen "Verantwortlichen" (Hey Chef, wir vermissen da ein paar Container...) und den glücklichen Finder (Hey Chef, den Amis sind ein paar Kisten "vom Laster gefallen"...) kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Wenn die NATO schon nach mehr Hubschraubern verlangt - sollten sie nicht eventuell etwas besser auf die aufpassen, die sie schon haben? Und wie bringt man eigentlich so ein Teil wieder los?

Gefunden in junge welt und Die Welt

Dienstag, Juni 24, 2008

Propaganda: NZZ

Ich habe mir vorgenommen, die übelsten Propaganda-Auswüchse zu kommentieren. Material ist ja wirklich genug vorhanden. Ein erster Versuch, vielleicht wird ja eine Serie draus.
Was für ein grausliger Propaganda-Artikel, den NZZ Online heute veröffentlicht hat.
Die afghanischen Taliban haben im vergangenen Jahr etwa 100 Millionen Dollar mit Opiumhandel verdient. Damit finanzieren sie Waffen und Munition. Vermutlich horten sie enorme Mengen an Rohopium, um sich diese Geldquelle zu erhalten.

Es ist schon mal bedauerlich, dass der Autor schlichtweg ignoriert, dass die Taliban den Mohn-Anbau und Opium-Handel auf schärfste bekämpft haben, und dadurch die Produktion beinahe vollständig still legen konnten. Und die Ernten nahmen im Zeitraum wieder zu, als die NATO-Truppen das Land wieder "kontrollierten".

Aber was soll man sich mit Einzelheiten aufhalten. "Vermutlich" ist sicher genug, um Rechte einzustampfen, Zivilisten zu bombardieren und Kriege zu rechtfertigen. Da ist es sicher zuviel verlangt von einem Journalisten etwas Hintergrundwissen zu erwarten.

Im vergangenen Jahr betrug dort der geschätzte Erlös der Produzenten für Rohopium ab Bauernhof total rund eine Milliarde Dollar, wie der Direktor des UNODC, Antonio Maria Costa, in einer Radiosendung der BBC erklärte.

Dass er den Ober-Drogen-Clown der UNO zitiert, ohne auch nur ein Wort zu hinterfragen zeugt auch nicht wirklich von Qualitäts-Journalismus. Wobei schon bezeichnend ist, mit welcher Regelmässigkeit solche Jobs an extreme Hardliner vergeben werden.

Diverse Berichte, dass die NATO-Truppen die Mohnfelder, die sie vorfinden eben nicht zerstören, sondern im Gegenteil beschützen sollen, gingen ebenso am Autor vorbei.

Kif in the Rif

Aber absolut unerträglich ist der Schluss:

Allerdings sind sie durchaus zu «Produktinnovationen» fähig. Das UNODC zeigt sich sehr besorgt darüber, dass der Anbau von Marihuana in jüngster Zeit stark zugenommen hat.

Wer sowas schreibt, zeigt doch deutlich, dass er keine Ahnung hat. Eigentlich von nichts, was für diesen Artikel relevant gewesen wäre. Weder von der Gefährlichkeit von Drogen, noch von den Möglichkeiten von Hanf. Weder von der Geschichte Afghanistans, noch vom Zusammenspiel zwischen Drogenhandel und Geheimdiensten.

Der Chef der britischen Drogenbekämpfungsbehörde in Kabul, David Belgrove, bestätigt in der BBC-Sendung die Nähe der Taliban zum internationalen Drogenhandel.

Das kann eigentlich nur ein Scherz sein. Ausgerechnet einen Briten mit der Aufsicht über afghanisches Opium zu beauftragen. Da werden sich China und Indien aber gerfreut haben.

Während Jahren haben die afghanischen Bauern unter ihrem Regime mehr Mohn angebaut, als der Weltmarkt nachgefragt hat. Zur Finanzierung des bewaffneten Kampfes sind daher die Einnahmequellen vermutlich auf Jahre gesichert.

Da geht es hin: Weil also die Taliban noch ausreichend Mittel - und nicht etwa Überzeugung - haben, darf es keinen verwundern, wenn da die NATO noch ein paar Jahre rumstolpert.

Böse Drogen, böse Terroristen - Gute UNO, gute NATO. Mit so simplen Weltbildern operieren "Journalisten" in unseren Intellenz-Blättern. Traurig daran ist, dass diese Ansichten von "intelligenten" Menschen unwidersprochen übernommen werden.

Dienstag, Juni 10, 2008

Meine Lieblings-Ente


DSC_0189, originally uploaded by jaqwith.

das hier ist meine Lieblings-Ente auf dem Vierwaldstättersee. Sie kommt jedes Mal vorbei, um Hallo zu sagen. Vielleicht ist es aber auch jedes Mal eine andere. :)

Sonntag, Juni 08, 2008

Donnerstag, Juni 05, 2008

Freitag, April 18, 2008

Volker Pispers

Eine Woche Urlaub unter Menschen die nicht ständig vorgeben normal zu sein.

Fake-News

Wenn sich Komiker als Firmensprecher tarnen.

Update 11. Juli 2008:

Selbstverständlich ist es unpassend - danke für den Hinweis - The Yes Men nur als "Komiker" zu bezeichnen. Die Gruppe um Jacques Servin und Igor Vamos hat sich vorgenommen, durch Übertreibungen die wahren Beweggründe unternehmerischen Handelns offensichtlich zu machen.

Das obige Video zum 20. Jahrestag der Katastrophe von Bhopal ist das bisherige Glanzstück. Die englische BBC sendete das Statement zwei mal, bevor der Chemie-Riese Dow Chemicals eingreifen konnte.

Weitere Infos:
http://de.wikipedia.org/wiki/The_Yes_Men
http://www.theyesmen.org/

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18956/1.html
http://www.dowethics.com/r/about/corp/bbc.htm
http://www.spindoktor.de/2004/12/media-hack-die-yes-men-fhren-die-bbc.html

Montag, April 14, 2008

Mittwoch, April 09, 2008

Cheney-Affäre

Wie aus einem harmlosen Tag beim Fischen beinahe eine Affäre wurde. Und wie (leider) schnell wieder der langweilige Alltag Einzug gehalten hat.

Angefangen hat's mit diesem Post auf Fefes Blog:
Guckt euch mal die Reflektion in der Sonnenbrille von Cheney genau an. Ich habe irgendwie den Eindruck, die Bildunterschrift "Vice President Dick Cheney spends an afternoon fly-fishing on the Snake River in Idaho" ist nur die halbe Geschichte.
Und tatsächlich, was bei einem ersten Blick bloss nach dem üblichen fiesen Grinsen von Dick aussieht - in der Sonnenbrille spiegelt sich ein erotisch anmutendes etwas. Ist Cheney etwa auch nur ein Mann?

Klar, dass ich das genauer wissen wollte! Bei digg gibt es einen Thread dazu, der dann auch zu einem besseren Bild verweist. Damit war es dann nicht mehr allzu schwer, den betreffenden Ausschnitt zu vergrössern. Und es stellt sich heraus: Cheney hat "nur" seine Rute in der Hand. Nicht die für Sex - die fürs Fischen!

Dienstag, April 01, 2008

Bankenkrise

Das neue Brettspiel der Landesbanken. Danke an die Steuerzahler.