Sonntag, Juli 13, 2008

Die (zensierte) Kampagne

Wieder mal ein Weckruf für alle, die noch an "Freie Medien" glauben. Im ehemaligen Bürgerradio Flora sollte ein gründlich recherchierter Beitrag zu den Vorgängen der letzten Jahre gesendet werden. Die freien Mitarbeiter des Senders fühlten sich anscheinend je länger je mehr von den "Professionellen" ausgegrenzt. Bevor das Feature gesendet werden konnte, griff der Sendeleiter ein - und liess statt dessen Musik senden.
Was sich am 7.7.2008 beim hannoverschen Radio Flora abspielte, dürfte in der Radiogeschichte Westdeutschlands nach 1945 Seltenheitswert besitzen, wenn nicht sogar einzigartig sein. Als die verantwortliche Redakteurin […] zehn Minuten vor Beginn der Sendung das Studio betrat, teilte ihr ein Techniker mit: Auf Anweisung der Sendeleitung habe er ihre Moderation zu überprüfen. Falls sie das geplante Feature „Die Kampagne – Beseitigung eines selbstverwalteten Rundfunkbetriebes in Hannover“ ankündige, müsse er die Übertragung „auf Anordnung des Chefs“ sofort abbrechen. […] Mechthild Dortmund sprach zunächst über die Verfolgung von Journalisten und die Unterdrückung der Pressefreiheit in verschiedenen Ländern, kam dann auf die Situation in Deutschland zu sprechen und kündigte schließlich das Feature an. In diesem Augenblick würde die Übertragung abgeschaltet und Rockmusik eingeblendet.

Ein spannendes Beispiel, wie und mit welchen Methoden unsere Meinungsmacher die Verwandlung von öffentlicher in veröffentlichte Meinung bewerkstelligen: Nach der Einführung von bezahltem Personal liessen die ersten Konflikte nicht lange auf sich warten. Der (hauptamtliche) Koordinator der Musikredaktionen versuchte die Redaktion International abzustrafen, einerseits für ihr Eintreten gegen die Nato-Intervention in Jugoslawien, andererseits für eine Glosse auf rassistische Tendenzen im Programm eines Kooperationspartners. Dank der energischen Reaktion der Vereinsmitglieder konnte dieses Vorhaben verhindert werden.
In der Debatte wurde zum ersten Mal deutlich, dass bestimmte Sendungen von manchen bezahlten Kräften als Gefahr für Jobs und Geschäftsbeziehungen angesehen wurden.
Anlässlich der Bemühungen um die Verlängerung der Sendelizenz konnten die "Professionellen" ihre Machtbasis stärken.
Die Gruppe der bezahlten Arbeitskräfte bildete […] eigene Informations- und Kommunikationsstrukturen heraus. […] Immer mehr Ehrenamtliche zogen sich auf Grund der zunehmend unübersichtlichen Entscheidungsprozesse frustriert aus den Gremien zurück. Sowohl in der Programmkonferenz als auch im Plenum bestimmten die Hauptamtlichen, allein schon auf Grund ihres Informationsvorsprungs, die Richtung. […] Jetzt sollten alle […] Aktiven eine Mindestzeit auf den Plena absitzen, was durch penibel geführte Anwesenheitslisten kontrolliert wurde. Wer diese Zeit nicht aufbringen wollte oder konnte, verlor sein Stimmrecht. Die Folge: Schon nach kurzer Zeit hatte die Mehrheit der aktiven RadiomacherInnen […] kein Stimmrecht mehr in den Gremien. Ganz im Gegensatz zu den bezahlten Kräften, die sich ohnehin den ganzen Tag in den Büros aufhielten und keinerlei Schwierigkeiten hatten, an den zahlreichen Sitzungen teilzunehmen.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmerten sich zwar noch um ihre jeweiligen Sendungen, hatten aber zum Radio-Betrieb so gut wie nichts mehr zu sagen. In dieser Situation mischte sich dann die Niedersächsische Landesmedienanstalt ein: Sie stellte sich klar auf die Seite des "angepassten" Neustädter Lokalradios als dieses mehr Sendezeit forderte - was natürlich überhaupt nichts mit den guten Beziehungen der Macher zu den örtlichen Spitzen von Politik und Wirtschaft zu tun hatte.

"Durchhörbarer"

Der nächste Schlag kam 2006 durch eine "repräsentative" Meinungsumfrage zur Hörerschaft. Die Resultate wurden zur Diskussionsgrundlage, obwohl die Kritik an den Erhebungsmethoden nicht ausblieb: Die Umfragen wurden nur in ausgesuchten Gebieten, nicht im ganzen Empfangsgebiet gemacht. Obwohl zahlreiche Beiträge für Immigranten in deren Muttersprache gesendet wurden, wurden nur deutschsprachige Festnetz-Nutzer befragt wurden.
Besonders die MitarbeiterInnen aus den muttersprachlichen Redaktionen fühlten sich durch dieses Versäumnis nicht ernst genommen, ausgegrenzt und warfen den Autoren der Studie Einäugigkeit und Einseitigkeit vor. Manche sprachen gar von rassistischem Denken, das hier zum Ausdruck komme.
Trotzdem setzte sich die "Teppich-Etage" durch. Ein neuer Sendeleiter - mit Erfahrung aus der Regenbogenpresse und kommerziellem Radio - wurde eingestellt und begann umgehend, missliebige Mitarbeiter zu massregeln. Die Verwunderung der interessierten Mitarbeiter wurde verstärkt durch die Bemühungen der Behörden, diese Tendenzen zu fördern.
Verwundert fragten sich Beobachter, wieso sich ausgerechnet die fest in der Werbewirtschaft verwurzelte Kuhnt-Crew für das nichtkommerzielle Bürgerradio interessierte. Das Erstaunen wurde aber noch größer, als sich […] abzeichnete, dass die Behörde die Werbeleute unbedingt mit im Boot haben wollte und auf eine Einigung zwischen Bürgerradios und „Radio Team Niedersachsen“ drängte. Vom Vorstand des Flora-Trägervereins war zu erfahren, dass man Wert darauf lege, in die Verhandlungen auch die Sendeleitung mit einzubeziehen. Der Mann vom Kommerzfunk schien gut geeignet, eine „Brücken- und Vermittlerfunktion“ zu den Werbeleuten zu übernehmen.
Politik und Wirtschaft üben den Schulterschluss; wichtiger als Meinungsvielfalt und Pressefreiheit ist das Unterdrücken von kritischen Stimmen.
Damit liegt sowohl die inhaltliche als auch die finanzielle Kontrolle fest in der Hand des Kommerzfunks und der Werbewirtschaft. Mehr als 500 Vereinsmitglieder und über 200 ehrenamtlich arbeitende RadiomacherInnen werden keinerlei Einfluss mehr auf den Sender haben. […] Die Mitgliedsbeiträge des Flora-Vereins von jährlich etwa 28.000 Euro und auch die in mehr als zehn Jahren angeschaffte Technik [sind] nicht zu verachten. Allerdings verfügen die Werbeleute über beste Kontakte zur Wirtschaft und damit zu Geldgebern.

Die neuen Führungskräfte kümmern sich […] um Stellen, Immobilien und Finanzen. Für Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit bleibt da naturgemäß wenig Zeit. Die Kampagne ist fast beendet. […] Zweierlei fehlt zum endgültigen Sieg: ein möglichst reibungs- und geräuschloser Übergang sowie die Sicherung der Ressourcen des einst selbstverwalteten Radios.
Das vorläufige Ende der Geschichte - wie eingangs erwähnt: Der professionelle Sendeleiter untersagt die Ausstrahlung des Beitrags. Die Story ist meines Erachtens symptomatisch und auch in anderen Medien zu beobachten: Idealistische Selber-Denker werden gemobbt und demotiviert, genossenschaftliche Bewegungen durch "finanzielle Zwänge" zerschlagen, Angestellte mit Angst um den Job gefügig gemacht und "angepasste" Meinungen - also Meinungen, die denen von Politikern und Wirtschaft entsprechen - gefördert.

Quellen:
http://www.ak-regionalgeschichte.de/html/die_kampagne.html (Beitrag lesen)
http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=23179 (Beitrag hören)

Der Hai als Symbol

Etwas zu kurz gedacht hat wohl die Moderatorin dieser Sendung. Klar sind Haie beeindruckend, gefährlich, schön und bieten sich als Objekt der Verehrung an. Aber die Aussage, dass der Hai deshalb von Naturvölkern verehrt wird, weil er schon seit Jahrmillionen praktisch unverändert durch die Meere streift ist hanebüchen.

Schliesslich unterscheiden sich Naturvölker von unserer Kultur unter anderem dadurch, dass sie Fossilien nicht per C14-Methode datieren können und vermutlich auch nicht wollen.

Dass sich der Hai evolutionär nicht weiter entwickeln musste, weil er sich gegen die evolutionierenden Beutetiere und Feinde problemlos behaupten konnte ist so für Naturvölker nicht ersichtlich.

In diesem Zusammenhang ganz interessant: Diese Ausgabe von Alpha-Centauri über die Umpolung des Erdmagnetfelds spekuliert, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Zusammenfallen des Erdmagnetfelds und dem gehäuften Auftreten von Mutationen - also einem Evolutions-Schub. Nur weil es passt, sehenswert sind imo alle Sendungen.

Student nimmt Jesus als Geisel

Jetzt geht es aber ab: Eine obskure Sekte behauptet, der Student Webster Cook habe ihren Gott entführt, in einem MiniGrip eingesperrt und nach Hause genommen. Inzwischen ist das Heiligtum glücklicherweise an seinen Platz zurück gekehrt, Cook hat sich entschuldigt - und abgesehen vom Ärger, den er mit der Uni bekommen wird, scheint alles in Ordnung zu kommen.

Webster Cook ist Student an der University of Central Florida. Im Rahmen einer katholischen Messe hat er die geweihte Hostie entgegengenommen, wollte sie aber nicht schlucken, sondern einem Kollegen zeigen. Mindestens zwei Personen versuchten ihn daran zu hindern, daraufhin hat er das Häppchen nach Hause genommen und in einem MiniGrip verwahrt. Die Kirche verlangte, dass er die Hostie umgehend zuückgibt - und dank einigen Tausend Emails an den Leiter der Uni scheint er zur Besinnung gekommen zu sein.

So weit so gut. Lustig wird es, wenn wir die Aussagen der "Betroffenen" lesen. Zum Glück sind Christen nicht so rückständig wie andere Fundmantalisten (scnr):
"It is hurtful," said Father Migeul Gonzalez with the Diocese. "Imagine if they kidnapped somebody and you make a plea for that individual to please return that loved one to the family."
Kidnapping? Von einem kleinen runden Stück Esspapier? Nein, natürlich nicht! Aber wenn der katholische Zeremonienmeister seinen Zauber spricht, wird das bisschen Mehl und Wasser zu Fleisch und Blut Christi. Und dann gibt es nur wenige Alternativen: Essen, aufbewahren oder fachgerecht entsorgen.
"We don't know 100% what Mr. Cooks motivation was," said Susan Fani a spokesperson with the local Catholic diocese. "However, if anything were to qualify as a hate crime, to us this seems like this might be it."
"Hate crime" ist auch gut, da fallen zum Beispiel die Morde des Ku-Klux-Klans darunter, nicht aber geschmacklose Mohammed-Karikaturen. Nun ja, Priester und Kirchensprecherin haben da sicher ihre eigene Meinung dazu, aber was denkt das Publikum?
Regardless of Mr. Cook's subjective belief about the Eucharist, it is the Body of Christ and the Real Presence regardless of Mr. Cook's beliefs or opinions. It is a matter of objective reality, not a matter of opinions "for Catholics."
- LCB

Many Saints over the ages have died protecting the Eucharist from desecration. Rest assured, Mr. Cook, had you been at my church when you committed your outrage, getting grabbed on the arm would have been the least of your worries. I would happily have gone to jail for assaulting and battering you if that's what it took to protect the sacred species.

- Tony

I know a holy priest that if he drops the Eucharist, gets down on his 70-year old knees and licks the floor where it drop to make sure none of Christ is not left on the floor.
- A Voice in the Crowd

Das ist wirklich der Leib Christi, wenn ihn einer klauen will, darf man gern mal zuschlagen und wenn er zu Boden fällt wird sauber geleckt. Vielleicht ist es vom Sohn eines Arztes einfach ein bisschen zu viel verlangt, das alles wörtlich zu nehmen.

Ich gebe zu: Ja, ich bin römisch-katholisch erzogen worden. Ja, ich verzeihe es ihnen heute noch nicht, was sie mir alles für Schwachsinn erzählt haben. Ja, ich hätte schon längst austreten sollen. Aber eigentlich wäre es mir lieber, sie würden mich hochkant rauswerfen. Exkommunikation, ein Abgang mit Stil!

Krieg ich noch einen von den Jesus-Chips?

Quellen:
http://blog.fefe.de/?ts=b6863697
http://scienceblogs.com/pharyngula/2008/07/its_a_goddamned_cracker.php
Student Holds Eucharist Hostage
http://de.wikipedia.org/wiki/Hate_crime

Freitag, Juli 11, 2008

NZZ "erklärt" Hamas

Wieder mal schön zu sehen, wie man aus einem Versuch den Waffenstillstand zu retten ein fragwürdiges Vorgehen macht, wie man Zusammenhänge geschickt umschifft und Hintergründe ausblendet. Die NZZ macht es vor, die anderen Zeitungen schreiben dann in etwa ab.
Erstmals seit Beginn der Waffenruhe für den Gazastreifen hat die radikal-islamische Hamas offenbar Palästinenser im Zusammenhang mit Raketenangriffen auf Israel festgenommen. Israel reagiert jeweils mit der sofortigen Schliessung der Grenzübergänge, wenn aus dem Gazastreifen Raketen auf sein Gebiet abgeschossen werden.
Wie nett. Die Hamas ist radikal-islamisch [sic!], ohne geht es ja nicht. Die Hamas hat erstmals reagiert, während Israel jeweils sofort reagiert. Und das Problem sind ausschliesslich die Raketen-Angriffe aus Gaza. Und "offenbar" meint ja wohl nichts anderes, als dass man den Aussagen der Araber nicht so viel Vertrauen entgegenbringen muss, wie beispielsweise den Amerikanern. Die üblichen Verdächtigen haben wieder zugeschlagen...
Die militanten Al-Aksa-Brigaden erklärten [...], die Hamas habe zunächst drei ihrer Mitglieder nach einem solchen Angriff [...] festgesetzt. Vier weitere Anhänger seien [...] festgenommen worden, als sie Raketen auf israelisches Gebiet schiessen wollten.
Das wiederum sollte bei jedem informierten Beobachter der Lage die Alarmglocken schrillen lassen. Von unserem "Leitmedium" völlig unbemerkt, aber meiner Ansicht nach relativ entscheidend: Die Al-Aksa-Brigaden sind ein Flügel der Fatah von Mahmoud Abbas. Genau dieser Abbas, und seine Fatah, werden von den USA und Israel bevorzugt behandelt, die Hamas wird abgestraft.
Den Waffenstillstand mit Israel vereinbarte die Gruppe im Juni [...]. Dazu gehörte die Zusage Israels, im Gegenzug für den Verzicht der Hamas auf Raketenangriffe wieder Hilfslieferungen [...] zulassen. Dennoch kam es wiederholt zu Raketenangriffen, die Israel mehrfach mit der zeitweisen Schliessung der Grenzübergänge beantwortete.
Also: Die Hamas verzichtet auf Anschläge, Israel öffnet die Grenzen, die Fatah schiesst Raketen ab, Israel schliesst die Grenzübergänge wieder. Die Fragen, die sich mir stellen, werden von der NZZ leider nicht aufgegriffen: Wieso verhandeln die USA mit Abbas, wenn seine Terroristen Raketen auf Israel abfeuern? Wieso wird seine Privat-Armee aufgerüstet und ausgebildet - aber im Gaza fehlt es an allem? Und wieso in aller Welt werden diese Fragen einfach umgangen?

Wer diese Farce deckt, oder mitspielt, trägt Mitschuld am Leiden der Menschen im Gaza-Streifen. Unter-Ernährung, Trainkwasser-Mangel schlechte bis nicht vorhandene medizinische Versorgung sind die Folgen der Blockade. Ach, und natürlich sind die Raketen-Angriffe auf Israel nicht das einzige Beispiel für Gewalt zwischen den Parteien - aber zweifellos das prominenteste. Die Angriffe gehen weiter, die Siedlungen werden ausgebaut. Und auch die Frage, welches die religösen Fanatiker sind, ist nicht so leicht zu beantworten, wie es scheint.

Quellen:
http://www.nzz.ch/nachrichten/international/hamas_nimmt_raketenschuetzen_fest_1.781620.html
http://www.nysun.com/foreign/fatah-militant-us-training-was-key-to-intifadas/60989/
http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2006/12/14/MNGIPMV3N61.DTL
http://www.ism-germany.net/2008/07/07/475-tote-mehr-als-4000-verwundete-im-ersten-halbjahr-2008/

http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/news/children-and-civilian-bystanders-gaza-death-toll-20080303
http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/feature-stories/unlawful-homes-israeli-settlers-demolitions-palestinians-20080331
http://weekly.ahram.org.eg/2008/892/re72.htm

Mittwoch, Juli 09, 2008

Klartext aus Russland

Dass Russland keine Freude an der Stationierung von Radar- und Raketenstellungen in Tschechien, beziehungsweise Polen, hat dürfte inzwischen jedem klar geworden sein. Es scheint mir aber doch wichtig zu sein, dass Europa sich klar macht, wie ernst es Russland meint.

Um den Standpunkt zu verstehen muss man in Betracht ziehen, dass ein nuklearer Erstschlag in der Vergangenheit sinnlos erschien, weil sich die Nuklearmächte gegenseitig zerstören würden. Durch die Abwehr-Raketen - so fürchten die Russen - könnten die USA der Versuchung eines "Erstschlags ohne Konsequenz" erliegen.

Das macht dann verständlich, wieso Col. Gen. Leonid Ivashov, Leiter der geopolitischen Akademie in Moskau klare Konsequenzen fordert: Beenden der Zusammenarbeit mit der NATO, Import- und Export-Beschränkungen gegenüber den beteiligten Ländern, aber auch nukleare Angriffe auf die Stellungen im Konfliktfall.
Russia must also warn the European countries that... in case of a potential military confrontation... capitals, large cities, and industrial and communications centers of the countries hosting elements of the U.S. missile shield will inevitably become primary targets of nuclear strikes.
Ebenso verständlich wird der Wunsch mit vertrauenswürdigen Partnern eine Allianz gegen die NATO zu schmieden - also zum Beispiel China und Indien.

Auch Ex-Präsident Mikhail Gorbachev - nicht gerade bekannt für Anti-Westliche Einstellungen - ist besorgt: Haben die USA wirklich vor, eine Krig gegen den Rest der Welt zu beginnen? Sie werden scheitern.
Does America intend to fight the rest of the world, does America need to build a new empire? They will not succeed.
Und er hofft darauf, dass der Iran nicht noch angegriffen wird, solange Bush an der Macht ist.

Lt. Gen. Evgeny Buzhinsky nimmt Stellung zu den amerikanischen Vorschlägen, die die russischen Bedenken beseitigen sollen: Die Verträge könnten jederzeit einseitig (von den USA) gekündigt werden, verschiedene Bedingungen sind inakzeptabel. Und während US-Experten russische Basen besuchen möchten, sollen die Russen ihr Inspektionsrecht mit Polen, bzw. Tschechien aushandeln.
They have been worded to enable the Americans to unilaterally abandon them anytime. Besides, these proposals have been decorated by a number of conditions that are admittedly unacceptable for us.
Auch in diesem Zusammenhang ist mir absolut unverständlich, was sich unsere Politiker und Journalisten dabei denken - oder ob sie überhaupt noch denken.

Quellen:
http://en.rian.ru/russia/20080709/113618929.html
http://mnweekly.ru/world/20071129/55293408.html
http://kommersant.com/p-12788/r_527/Missile_defense_/

Dienstag, Juli 08, 2008

Die gekaufte Meinung

Report Mainz ist wieder auf der Spur eines Politik- und Medien-Skandals. Ullas Schmidt lässt sich Radio-Sendungen am liebsten nach Mass schneidern. Schlenker PR macht das gerne und hat praktischerweise auch gleich Verträge mit den Sendern, um die Propaganda zu platzieren.

Glücklicherweise müssen die Moderatoren den Einleitungstext noch selber vorlesen. Erst so wird nämlich ein Beitrag vollständig sendefähig. Und deshalb kann sich die Frau Schmidt auch beruhigt vor das Parlament stellen und behaupten, dass sie keine vollständig sendefähigen Beiträge in Auftrag gegeben habe. Sonst hätte sie ja auch das Parlament und nicht nur das Volk belogen.

Wer noch der Ansicht war, dass ein Radio seinen Zuhörern Informationen verkauft, sollte langsam umdenken. Wie im (privaten) Fernsehen und in den Print-Medien auch, sind es schon lange die Zuschauer, die an zahlende (Werbe-)Kunden verkauft werden. Es überrascht mich daher wenig, dass das Thema so wenig Resonanz in anderen Medien findet: Vielleicht gibt es ja von dieser Quelle auch mal was zu verdienen - oder eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Immerhin danke an Report Mainz, dass sie sich vom Rest unterscheiden.

Quellen:
http://redblog.twoday.net/stories/5044657/
http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=3563874/19x4qof/index.html

Das Video:
http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=3563874/pv=video/gp1=3728036/nid=233454/1odgwb3/index.html

Noch mehr Terroristen

Die neuen Terroristen(sorry fefe, CNR): Kleinkinder und Sprachfehler. Als ich den Artikel bei Titanic gefunden habe, war ich zuerst erleichtert: Sicher nur ein Scherz. Aber leider schreiben Spiegel und der Telegraph fast wörtlich dasselbe: Ein dreijähriges Kind, das sich über "fremdes" Essen beklagt, ist schon mal verdächtig ein Rassist zu werden. Die Titanic dazu:
Hier ein paar Anzeichen, daß Ihr Kleinkind ein Rassistenschwein ist:
  • Es bezeichnet ihm unbekannte Menschen als "Fremde"
  • Es sagt "mein Führer" statt "Vater"
  • Es verscharrt tote Kleinkinder mit Migrationshintergrund im Garten
  • ...
Tja, also mir fällt dazu auch nicht mehr ein.

Eher ungefährlichSehr verdächtig!
Silly ketchup nose...Berry Messy

Dass es aber wohl eher ernst gemeint ist, zeigt der andere Artikel aus dem Telegraph:
Thousands of children with untreated speech problems are at risk of ending up unemployed, experiencing mental health problems and involved in crime, a government review has concluded.
Alles präventiv einsperren, das Pack: Analphabeten, Legastheniker, Stotterer, Lispler, Kindergärtner mit Zahnlücke, Vegetarier, "bitte-nicht-zu-scharf"-Esser, "Lammfleisch-mit-Pfefferminzsauce-Verweigerer".

Wenn Orwell das noch erleben könnte - er würde sich im Grab umdrehen vor Freude. Oder so.


Quellen:

http://www.titanic-magazin.de/rss.2285
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,564480,00.html
http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/politics/education/2261307/Toddlers-who-dislike-spicy-food-racist%2C-say-report.html
http://www.telegraph.co.uk/news/2267596/John-Bercow-Children%27s-speech-problems-could-lead-to-criminality.html

Pentagon aims for less deadly cluster bombs

Das ist wieder mal was aus der "seid ihr so blöd, oder wollt ihr mich nur verarschen"-Ecke: US Verteidigungs-Minister Robert Gates möchte die amerikanischen Cluster-Bomben sicherer machen.Konkret heisst das dann, dass mindestens 99% der Kanister explodieren sollen. Dadurch wird dann angeblich die Gefahr für die Zivilisten kleiner - weil weniger Blindgänger herum liegen.

Zuerst gefunden wieder mal bei Xinhua. Es ist ja schon ein Armutszeugnis, dass die amtliche chinesische Nachrichten-Agentur ihre Propaganda inzwischen direkt von der US-Regierung zur Verfügung gestellt bekommt.

111 Länder, darunter auch zahlreiche NATO-Mitglieder haben vor rund einem Monat, die Verwendung von Cluster-Bomben geächtet. Die USA - wie China, Indien, Israel, Pakistan, Russland auch möchten auf den militärischen Wert nicht verzichten.

Aber die USA bringen es wieder mal fertig, eine sinnvolle Idee aus eigenen Interessen derart zu pervertieren, dass vom "guten" und "sinnvollen" nichts mehr übrig bleibt. Statt den Einsatz zu beschränken und die Lager abzubauen wird beschlossen, dass die Waffen binnen 10 Jahre durch "bessere" ersetzt werden.

Da haben fast alle etwas davon: Die Waffen-Industrie kriegt neue Aufträge für zuverlässigere, sprich teurere Cluster-Bomben. Jaja, die Entwicklungskosten sind hoch, aber es geht schliesslich um Menschenleben.

Das Militär hat nun 10 Jahre Zeit, um die alten Vorräte an Munition zu entsorgen. Da wird sich sicher ein Plätzchen finden - und auch wenn der Einsatz von Clustern aus militärischer Sicht nicht unbedingt nötig wäre, das Zeug muss schliesslich weg.

Die US-Regierung wiederum kann beteuern wie sehr ihnen die Zivilisten am Herz liegen, und den Kumpels in der Rüstungsindustrie einen Gefallen tun.

Und so ab etwa 2020 hat vielleicht auch ein ganz gewöhnlicher Zivilist in einem zufälligen Konfliktgebiet etwas davon. Dann nämlich, wenn die USA die neuen Cluster-Bomben verschiessen und deshalb nur noch einer von hundert Kanistern liegen bleibt. Natürlich nur, wenn er nicht zum "Kollateral-Schaden" des eigentlichen Angriffs wird.

Update: Die Washington Post schreibt unter dem wundervollen Titel "Pentagon aims for less deadly cluster bombs", dass die "unzuverlässige" Munition an Dritt-Staaten weiter verkauft werden soll, aber nur unter der Bedingung, dass sie bis 2018 eingesetzt wird. (Also im Original heisst es: Nach 2018 nicht mehr verwendet wird - ist das jetzt dasselbe oder nicht?)

Die Post liefert auch noch einige Zahlen: In Afghanistan wurden 2001/02 rund 1200 Cluster-Bomben mit beinahe 250'000 Kanistern abgeworfen. In den ersten 3 Wochen des Irak-Kriegs sollen amerikanische und britische Truppen ungefähr 13'000 Bomben mit mehr als 1'800'000 Kanistern abgeworfen haben.

Eine kleine Rechnung: Wenn also über 1% der Kanister nicht detoniert, dann lagen alleine aus den ersten 3 Wochen Bombardement mindestens 18'000 Blindgänger herum. Das könnte unter Umständen auch eine Erklärung sein für die eine oder andere Meldung über improvised explosive devices.

Update 2: Laut der Tagesschau ommt es "bei bisherigen Streubomben [...] üblicherweise bei 10 bis 40 Prozent der als «Bomblets» bezeichneten Sprengsätze nicht zur Explosion." Ich korrigiere also meine erste Einschätzung auf ca. 180.000 - 720'000 Blindgänger. Auch hier erinnert übrigens der Titel - "USA zeigen sich nachgiebig" - eher an detebe denn an Nachrichten.

Quellen:
http://rss.xinhuanet.com/newsc/english/2008-07/08/content_8510829.htm
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/07/07/AR2008070701990_2.html
http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2008/07/08/international/usa_zeigen_sich_nachgiebig

Samstag, Juli 05, 2008

Ausgebusht



Kriegsverbrecher! Fuck you! Faschist! Sagt Bush: Jaja, die Redefreiheit.

Laut Xinhua wurden während der 10minütigen Rede mindestens 9 Leute entfernt. Nicht schlecht, die Quote. Dass es am Heimatort von Thomas Jefferson passiert ist eine nette kleine Realsatire, wie sie für absurde System typisch ist.

Quellen:
http://tagesschau.sf.tv/content/view/full/243632
http://news.xinhuanet.com/english/2008-07/05/content_8492738.htm

Woertbesetzungen

Auf der Suche nach Alternativen zum ach so ungeliebten Wort "Anarchie" bin ich auf einige Ausdrücke gestolpert. Im Sinne einer "Wortbesetzung" - gibt es ein Wort schon, wenn Google nichts dazu hat? Zum Zeitpunkt des Verfassens gab es für metarchie/metarchy jeweils einige Treffer. Krearchie und Poietarchie: Zero points!

Krearchie

"Krearchie". bzw. "crearchy" tönt beispielsweise ganz nett, aber abgesehen von der bestenfalls provokativen Ähnlichkeit zum Kreationismus missfällt mir auch die Mischung von lateinischen und griechischen Fremdwörtern. Aber dafür gefällt mir das Experimentelle. Ganz im Gegensatz zu den Kreationisten bin ich aber der Auffassung, dass wir gefordert sind, das politische System mit- und umzugestalten.

Poietarchie

"Poietarchie"(poietarchy) ist in etwa die griechische Variante davon. Stärker als beim "crea" kommt hier allerdings mein Verständnis der Gesellschaft als autopoietisches kommunkatives System zum Vorschein. Wir definieren die Gesellschaft und werden gleichzeitig von ihr geprägt.

Metarchie

Mit dem Begriff "Metarchie" (metarchy) assoziiere ich vor allem das Nebeneinanderstellen der verschiedenen Herrschaftssysteme. Ob Sozialismus, Kapitalismus, Kommunismus - jedes System hat auch in der Theorie, insbesondere aber in der praktischen Umsetzung seine Stärken und Schwächen. Im Vergleich der Systeme untereinander die besten Lösungen für ein gegebenes Problem zu finden. Konkrete angepasste Lösungen für konkrete lokale Probleme.

Weitere Vorschläge sind jederzeit willkommen.

Donnerstag, Juli 03, 2008

Hubschrauber bitte melde Dich!

Endlich mal wieder was zum Lachen - wenigstens mit Humor und etwas gutem Willen. Sicher hat jeder schon mal etwas verloren. Und auch ein Fahrrad wurde mir schon mal gestohlen. Aber gleich 3 Hubschrauber, darunter ein Chinook? Wie kann man einen 30 Meter langen, 10 Tonnen schweren Hubschrauber aus den Augen verlieren?

Man sollte wohl anmerken, dass die Maschinen in Transportkisten verpackt auf dem Landweg nach Afghanistan gebracht werden sollten. Fliegen ist wahrscheinlich zu gefährlich. Es werden ja auch regelmässig wieder welche abgeschossen.

Trotzdem: Beim Gedanken an den armen "Verantwortlichen" (Hey Chef, wir vermissen da ein paar Container...) und den glücklichen Finder (Hey Chef, den Amis sind ein paar Kisten "vom Laster gefallen"...) kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Wenn die NATO schon nach mehr Hubschraubern verlangt - sollten sie nicht eventuell etwas besser auf die aufpassen, die sie schon haben? Und wie bringt man eigentlich so ein Teil wieder los?

Gefunden in junge welt und Die Welt

Dienstag, Juni 24, 2008

Propaganda: NZZ

Ich habe mir vorgenommen, die übelsten Propaganda-Auswüchse zu kommentieren. Material ist ja wirklich genug vorhanden. Ein erster Versuch, vielleicht wird ja eine Serie draus.
Was für ein grausliger Propaganda-Artikel, den NZZ Online heute veröffentlicht hat.
Die afghanischen Taliban haben im vergangenen Jahr etwa 100 Millionen Dollar mit Opiumhandel verdient. Damit finanzieren sie Waffen und Munition. Vermutlich horten sie enorme Mengen an Rohopium, um sich diese Geldquelle zu erhalten.

Es ist schon mal bedauerlich, dass der Autor schlichtweg ignoriert, dass die Taliban den Mohn-Anbau und Opium-Handel auf schärfste bekämpft haben, und dadurch die Produktion beinahe vollständig still legen konnten. Und die Ernten nahmen im Zeitraum wieder zu, als die NATO-Truppen das Land wieder "kontrollierten".

Aber was soll man sich mit Einzelheiten aufhalten. "Vermutlich" ist sicher genug, um Rechte einzustampfen, Zivilisten zu bombardieren und Kriege zu rechtfertigen. Da ist es sicher zuviel verlangt von einem Journalisten etwas Hintergrundwissen zu erwarten.

Im vergangenen Jahr betrug dort der geschätzte Erlös der Produzenten für Rohopium ab Bauernhof total rund eine Milliarde Dollar, wie der Direktor des UNODC, Antonio Maria Costa, in einer Radiosendung der BBC erklärte.

Dass er den Ober-Drogen-Clown der UNO zitiert, ohne auch nur ein Wort zu hinterfragen zeugt auch nicht wirklich von Qualitäts-Journalismus. Wobei schon bezeichnend ist, mit welcher Regelmässigkeit solche Jobs an extreme Hardliner vergeben werden.

Diverse Berichte, dass die NATO-Truppen die Mohnfelder, die sie vorfinden eben nicht zerstören, sondern im Gegenteil beschützen sollen, gingen ebenso am Autor vorbei.

Kif in the Rif

Aber absolut unerträglich ist der Schluss:

Allerdings sind sie durchaus zu «Produktinnovationen» fähig. Das UNODC zeigt sich sehr besorgt darüber, dass der Anbau von Marihuana in jüngster Zeit stark zugenommen hat.

Wer sowas schreibt, zeigt doch deutlich, dass er keine Ahnung hat. Eigentlich von nichts, was für diesen Artikel relevant gewesen wäre. Weder von der Gefährlichkeit von Drogen, noch von den Möglichkeiten von Hanf. Weder von der Geschichte Afghanistans, noch vom Zusammenspiel zwischen Drogenhandel und Geheimdiensten.

Der Chef der britischen Drogenbekämpfungsbehörde in Kabul, David Belgrove, bestätigt in der BBC-Sendung die Nähe der Taliban zum internationalen Drogenhandel.

Das kann eigentlich nur ein Scherz sein. Ausgerechnet einen Briten mit der Aufsicht über afghanisches Opium zu beauftragen. Da werden sich China und Indien aber gerfreut haben.

Während Jahren haben die afghanischen Bauern unter ihrem Regime mehr Mohn angebaut, als der Weltmarkt nachgefragt hat. Zur Finanzierung des bewaffneten Kampfes sind daher die Einnahmequellen vermutlich auf Jahre gesichert.

Da geht es hin: Weil also die Taliban noch ausreichend Mittel - und nicht etwa Überzeugung - haben, darf es keinen verwundern, wenn da die NATO noch ein paar Jahre rumstolpert.

Böse Drogen, böse Terroristen - Gute UNO, gute NATO. Mit so simplen Weltbildern operieren "Journalisten" in unseren Intellenz-Blättern. Traurig daran ist, dass diese Ansichten von "intelligenten" Menschen unwidersprochen übernommen werden.

Dienstag, Juni 10, 2008

Meine Lieblings-Ente


DSC_0189, originally uploaded by jaqwith.

das hier ist meine Lieblings-Ente auf dem Vierwaldstättersee. Sie kommt jedes Mal vorbei, um Hallo zu sagen. Vielleicht ist es aber auch jedes Mal eine andere. :)

Sonntag, Juni 08, 2008

Donnerstag, Juni 05, 2008